Adrian Lamo, der Ex-Hacker, der den mutmaßlichen Whistleblower im Falle des "Collateral Murder"-Videos den Behörden meldete, gab mittlerweile einige Erklärungen zu seinem Verhalten ab. Auch WikiLeaks-Editor Julian Assange kommentierte den Vorgang.
Bradley Manning, ein 22-jähriger Analyst der US Army, soll Lamo gegenüber behauptet haben, hinter dem spektakulären Leak zu stecken und außerdem weitere Geheimdokumente weitergegeben zu haben. Offenbar hatten Manning und Lamo per E-Mail und Instant Messenger Kontakt. Auf diesem Wege vertraute Manning sich dem Ex-Hacker an und soll auch detailliert berichtet haben, wie er die Daten entwendete. Lamo ging kurze Zeit später mit diesen Informationen zu den US-Behörden. Manning wurde daraufhin inhaftiert und sitzt seit nunmehr zwei Wochen in der Nähe von Kuwait im Gefängnis
Gegenüber der BBC sagte Lamo nun einiges zu den Gründen für diesen Schritt. Einer der Gründe, so Lamo, sei - wie auch der originale Wired-Artikel über Mannings Verhaftung bereits erklärte - die Sorge um die nationale Sicherheit der USA gewesen. Allerdings spielte wohl auch die Sorge um die eigene Sicherheit eine Rolle. Lamo, der wegen IT-Verbrechen vorbestraft ist, befürchtete nach eigenen Angaben, wegen Behinderung der Justiz belangt zu werden, falls er Stillschweigen bewahrt hätte und Manning trotzdem enttarnt worden wäre. "Ich wollte nicht noch mehr FBI-Agenten an die Tür klopfen haben," erklärte der Ex-Hacker.
Neben Lamo meldete sich auch WikiLeaks-Editor Julian Assange bei der BBC zu Wort. WikiLeaks hatte das umstrittene Video, das den Tod mehrere Zivilisten durch den Angriff eines Apache-Helikopters im Irak dokumentiert, veröffentlicht und damit für erhebliche mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Assange widersprach einigen Aussagen Lamos. Er sagte, einige der Angaben Lamos darüber, was Manning ihm angeblich erzählt habe, könnten "faktisch nicht korrekt sein". Bereits gestern hatte Assange erklärt, zumindest eines der angeblich von Manning geleakten Dokumente niemals erhalten zu haben. Dies konterte Lamo mit der Aussage, er würde auch nicht zugeben, derartige Dokumente zu besitzen.
Assange kritisierte außerdem das Verhalten Lamos auf moralischer Ebene. Lamo habe "den heiligsten Schwur eines Journalisten gebrochen, nämlich die Vertraulichkeit von Quellen," betonte der Australier. Lamo hatte stets betont, in dieser Frage nicht als Journalist gehandelt zu haben. Er und Manning hätten stets nur auf persönlicher Ebene kommuniziert, so dass kein Journalist-Informant-Verhältnis bestanden habe.
Assange betonte, Mannings Schicksal sollte andere potentielle Whistleblower nicht davon abhalten, sich an WikiLeaks zu wenden. WikiLeaks habe seine Infrastruktur gezielt darauf optimiert, auch bei drohender strafrechtlicher Verfolgung die Sicherheit von Quellen zu gewährleisten. Durch technische und juristische Vorsichtsmaßnahmen könne man bei WikiLeaks informanten effektiv schützen, so Assange. Das gelte auch für Bradley Manning. "Angenommen, die Vorwürfe gegen ihn sind wahr, sind wir darauf vorbereitet, seinen Schutz und seine Strafverteidigung zu organisieren," erklärte Assange.
Quelle:
BBC